Historie der „Gast u. Tafernwirtschaft zum Haderecker“

Anton Haderecker Weltmeister im Rückenheben

1872 wird das Anwesen im Besitz von Sepp Thalhammer- bestehend aus Wohnhaus, Stall und Heustadl- erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem Verkauf 1884 an Anton Haderecker fiel das gesamte Anwesen einem verheerenden Brand zum Opfer und musste 1890 wieder neu aufgebaut werden, um es dem inzwischen erwachsenen Sohn Andreas Haderecker mit Ehefrau Theres (geborene Kneißl) übergeben zu können. Somit taucht am 11.3.1897 zum ersten Mal ein Grundbucheintrag als „Wirtshaus im Graßlfinger- Moos mit dem Besitzer und Gastwirt Andreas Haderecker“ auf. Dies war das eigentliche Entstehungsdatum der heutigen „Gast u. Tafernwirtschaft zum Haderecker“.

Als Tafernwirtschaft war es erlaubt große Feiern wie Hochzeiten, Erstkommunionen und Taufen auszurichten und dabei warm aufzukochen- dieses Privileg hatte nicht ein jedes Gasthaus zu dieser Zeit. Die häufig im Moos abgehaltenen Treibjagden brachten viele Jäger und Jagdpublikum in die Wirtschaft. Bekannte Namen wie Dr. Essl, Pfarrer Pfanzelt, Ludwig Thoma und die so berühmte „Dachauer Malschule“ bescherten dem Gasthaus regen Zulauf und einen Gemeinde übergreifenden Bekanntheitsgrad. Der Geschäftsgang war sehr zufriedenstellend und im Jahre 1902 konnte das Anwesen um einen Wurzgarten, eine Torfhütte und einen Eiskeller erweitert werden.

Nach dem Tod von Andreas Haderecker 1929 führte seinen zweite Frau Magdalena die Gast- und Tafernwirtschaft weiter.

Durch rege Bautätigkeit in den Nachbargemeinden und der dadurch verursachten Grundwasserabsenkung kam nun plötzlich Luft an die rund 100 Eichenstämme, auf denen das Hadereckersche Anwesen errichtet war, und das Fundament verfaulte innerhalb kürzester Zeit. Die wunderschöne und weithin bekannte, zweistöckige Gast- und Tafernwirtschaft, Kramerei und Metzgerei war vom Einsturz bedroht und es drohte der Abriss. Trotz der Einsturzgefahr fanden während des Jahres 1929 bisweilen noch Feierlichkeiten im Haus statt. Der Gasthausbetrieb endete am 31.12.1929, als das Landratsamt Fürstenfeldbruck das Gebäude für den Gastverkehr und Wohnzwecke endgültig sperrte. Bis 1935 fand kein geregelter Betrieb mehr statt.

Noch im selben Jahr wurde das Anwesen für 6000 Mark an Andreas und Rosa Sirtl (geborene Haderecker) verkauft und musste aufgrund des desolaten Zustandes abgerissen werden. Da die junge Familie sämtliche Ersparnisse in den Kauf investiert hatte, pachteten sie um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können die Gaststätte Widmann in Graßlfing.

Der Neubau des Hadereckeranwesens war für 1949 geplant, drohte aber an der Finanzlage zu scheitern- etwa 1000 Mark fehlten noch für den Bau. Um das fehlende Geld zu leihen, wandte sich Andreas Sirtl an Münchner Brauereien, die ihm die Summe von 1000 Mark aber nur als Gegenleistung für die Unterzeichnung eines Bierlieferungsvertrages aushändigen wollten.

Als Retter in der Not erwies sich der damalige Besitzer der Dachauer Brauerei, Kurt Ziegler. Er schlug die Bitte nicht ab und per Handschlag wurde vereinbart das Dachauer Bier auszuschenken. Im Gegenzug erhielt der Wirt 1000 Mark bar auf die Hand. Im Jahr 1950 erwarb die Familie Sirtl die Wirtschaftskonzession und konnte mit inzwischen sechs Kindern den Gastbetrieb beginnen.

Anfangs waren es überwiegend einheimische Bauern und Handwerker, die nach getaner Arbeit die Wirtshausbänke drückten und es sich bei einer Maß Bier und einer Handwurst bescheiden wohl sein ließen. Aber an den Wochenenden fanden sich nach und nach auch Münchner Ausflügler ein, die in der Ruhe und Schönheit des Graßlfinger Mooses Entspannung suchten.

Rosa und Andreas Sirtl

Anfang der 60er Jahre wurde die Wirtschaft erstmals um ein großes Nebenzimmer erweitert, so dass nun auch größere Feierlichkeiten möglich wurden. Über 30 Jahre führten Andreas und Rosa Sirtl das Gasthaus „Zum Haderecker“ überaus erfolgreich- vor allem Rosa Sirtl bis weit über die Grenzen als Wirtin bekannt und geschätzt. Nach ihrem Tod 1982 übernahm das jüngste ihrer sieben Kinder, Ernst Sirtl mit seiner Frau Monika die Tafernwirtschaft und führt sie bis heute.

In den kommenden Jahren wurde viel umgebaut- zuerst die Küche, die anstatt des alten Holzofens eine moderne Ausstattung erhielt. Auch die Innenräume bekamen nach und nach ein neues Gesicht. Vor allem nach dem großen Umbau im Jahr 2000, bei dem zwei neue Nebenräume entstanden, ist die Wirtschaft wieder ein kleines Schmuckstück geworden.

Die Landwirtschaft und das Wursten werden aber wie in alten Zeiten ganz traditionell weitergeführt.
Inzwischen ist eine neue Generation nachgewachsen fünf- zum Teil schon erwachsene- Kinder sind da und werden dafür sorgen, dass es auch in Zukunft weitergeht in der „Gast u. Tafernwirtschaft zum Haderecker“.